“Dis_Ident – Desinformation und Identitätskonstruktion in der demokratischen Gesellschaft“ ist ein interdisziplinäres Verbundprojekt, gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, das untersucht, wie digitale Desinformation und psychologische Mechanismen Radikalisierungsprozesse bei Jugendlichen beeinflussen – von Dynamiken im Social-Media-Feed bis hinein in schulische und außerschulische Bildungsräume.
Ausgangspunkt ist die spürbare Verschärfung antisemitischer Narrative und polarisierter Debatten, insbesondere seit dem 7. Oktober 2023. Schulen berichten von steigenden Konflikten im Unterricht, während gleichzeitig Online-Plattformen die Verbreitung vereinfachender Feindbilder, Verschwörungserzählungen und extremistisch anschlussfähiger Inhalte beschleunigen.
dem wachsenden Bedarf an belastbaren Erkenntnissen darüber, welche Faktoren Jugendliche anfällig für israelbezogenen Antisemitismus und islamistische Ideologien machen, und
der langjährigen Präventionspraxis von MIND prevention.
Das Projekt reagiert damit nicht nur auf aktuelle Problematiken, sondern nimmt tieferliegende gesellschaftliche Dynamiken in den Blick: Identitätssuche, Zugehörigkeitskonflikte, Peer-Einflüsse, Diskriminierungserfahrungen sowie die Rolle von Plattformlogiken und algorithmischer Verstärkung. Ziel ist es, Forschung und Praxis so zu verzahnen, dass aus wissenschaftlichen Befunden praxistaugliche, skalierbare Präventionsbausteine entstehen.


Das übergeordnete Ziel von Dis_Ident ist die Entwicklung und Umsetzung einer wirksamen politischen Bildungs- und Präventionsstrategie, die israelbezogenem Antisemitismus sowie islamistisch geprägten Denkmustern bei Jugendlichen entgegenwirkt. Im Zentrum steht eine innovative Kombination analoger und digitaler Ansätze, die auf bewährten Präventionsmethoden aufbaut und zugleich neue digitale Wirkmechanismen berücksichtigt. Dis_Ident arbeitet entlang von drei eng verzahnten Schwerpunkten:
Handeln: Welche Gegenstrategien im digitalen und im Präsenzformat sind wirksam – von Social-Media-Counter-Narratives über weiterentwickelte Workshops bis zu modularen Fortbildungen für Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und Jugend-/Medienarbeit?
Aus den Forschungsergebnissen sollen konkrete, übertragbare Outputs entstehen: Empirisch fundierte Risiko-Indikatoren für islamistische Radikalisierung, ein datenbasiertes und automatisiertes Monitoring-/Dashboard zur Analyse antisemitischer und radikalisierender Inhalte, evidenzbasierte digitale Gegenstrategien sowie modularisierte Workshop- und Fortbildungspakete für schulische und außerschulische Bildung.

Dis_Ident verfolgt einen Mixed-Method-Ansatz. Das Projekt verknüpft computergestützte Analysen digitaler Inhalte mit sozialwissenschaftlicher und psychologischer Forschung sowie der Evaluation konkreter Präventionsmaßnahmen.
Zentrale Bausteine sind:
Datengetriebene Desinformationsanalyse: Aufbau einer Monitoring-Datenbank mit automatisierten Verfahren (u.a. Klassifikation, Sentiment- und Netzwerkanalysen) zur kontinuierlichen Beobachtung antisemitischer Desinformation und radikalisierender Narrative in sozialen Netzwerken.
Quantitative Erhebungen: Standardisierte Befragungen (u.a. Prä-/Post-Messungen im Umfeld von Workshops) zur Erfassung von Einstellungen, Risikofaktoren, Schutzfaktoren und Veränderungen über Zeit.
Qualitative Forschung: Interviews und Fokusgruppen mit Jugendlichen, Eltern sowie pädagogischen Fachkräften, um Wahrnehmungen, Deutungsmuster und Kontextbedingungen vertieft zu rekonstruieren.
Evaluation & Transfer: Systematische Wirksamkeitsprüfung der weiterentwickelten Präventionsbausteine (Workshops, digitale Gegenstrategien, Fortbildungen) – inklusive Wirk- und Transferanalysen sowie längsschnittlicher Erhebungen, um sowohl kurzfristige Effekte als auch Nachhaltigkeit zu beurteilen.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die kontinuierliche Ergebnistriangulation: Erkenntnisse aus digitalen Analysen, Befragungen und qualitativen Studien werden iterativ zusammengeführt, um ein kohärentes Gesamtbild zu erzeugen und Interventionen evidenzbasiert weiterzuentwickeln. Ein umfassendes Datenschutzkonzept sowie Einverständniserklärungen sichern die ethisch-rechtlichen Standards.